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Versuchskarnickel die 2.

Leider hat es etwas länger als geplant gedauert, bis ich nun endlich von meiner Erfahrung mit der Pumpe weiter berichten kann. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und nun erzähle ich einfach mal, was ich noch so alles erlebt habe.

Am Donnerstag Nachmittag habe ich mich auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier gemacht. Sozusagen eine „Ü70-Party“. Habe vorher überlegt, ob ich meine Pumpe „oute“ oder lieber nicht. Als ich dann bei meinen Bekannten ankam, habe ich mich dagegen entschieden, denn es saßen sechs Menschen im Rentenalter dort von denen mir vier unbekannt waren. Es ist eine Sache seine Pumpe öffentlich zu tragen, wenn man Diabetiker ist: „Hallo ich bin Manu und ich habe Typ1-Diabetes, deswegen trage ich eine Isulinpumpe“. Dann hört man bestimmt so Dinge wie: „Ach, Du hast so schlimm Diabetes, dass Du eine Pumpe benötigst, meine Tante nimmt nur Tabletten!“ Bestimmt auch nicht gerade ein Quell der Freude immer wieder erklären zu müssen, wie sich Typ1 und Typ2 unterscheiden, aber zu sagen: „Hallo ich bin die Manu und ich habe kein Diabetes und trage eine Insulinpumpe“ ist nochmal angesichts des nicht mehr ganz modernen Publikums nochmal eine besondere Herausforderung, die ich mir gerne ersparen wollte. Wie sollten diese Leute das verstehen ohne mich für total Irre zu halten? Da ich die Pumpe unter meiner Strickjacke trug, fiel diese auch nicht weiter auf. Wenn nicht…. Ja wenn ich nicht so furchtbar neugierig gewesen wäre. Ihr könnt Euch vermutlich gar nicht vorstellen, wie spannend es für mich zu beobachten ist, was mein Blutzucker den ganzen Tag so macht. Welcher Nichtdiabetiker hat schon einmal die Möglichkeit dazu? Nachdem ich also zwei Stückchen Käsesahne sowie ein Stück Marmorkuchen verdrückt hatte, schaute ich immer heimlich auf die Pumpe, die ja mit dem CGM verbunden war, um,meine BZ-Verlauf zu beobachten. Offenbar war das aber nicht heimlich genug. Irgendwann fragte mich der Herr des Hauses, was ich denn da immer machen würde. Na gut, das war ja dann wohl nichts. Also raus mit der Sprache und erklärt warum ich denn eine Insulinpumpe trage obwohl ich kein Diabetiker bin. Die Reaktionen waren aber ganz anders als ich dachte. Bis auf eine rüstige Dame hatten alle anderen Anwesenden Diabetes und zwar Typ2. Die darauf folgenden Gespräche waren jedenfalls sehr unterhaltsam für mich. Man stellte mir interessierte Fragen und ich war für eine Weile ungewollter Mittelpunkt der Geburtstagsgesellschaft. Eine Frau erzählte, dass ihre Tochter auch so etwas ähnliches wie diese Pumpe hätte. Auf meine Frage, ob die Tochter denn Typ1 oder Typ2 sei, wussten weder sie noch ihr Mann eine Antwort. Aber diese Pumpe von der Tochter würde alles alleine machen. Sie würde automatisch den Insulinbedarf ermitteln und abgegeben! Das wusste sie genau und war da auch nicht von abzubringen. Ein weiteres Schmanckerl war dann das Buffet zum Abendessen. Während ich drei Portionen Kartoffelsalat, Fisch und Baguette mit Kräuterbutter vertilgte (man möchte ja die Gastgeberin nicht beleidigen!), pickten die anderen Gäste ganz vornehm auf ihren übersichtlich bestückten Tellern herum. Das Drängen der Gastgeberin doch noch zu zugreifen, wurde mit „Mein Mann und ich essen nie so üppig, wir schaffen gar nicht so viel“ kommentiert. Diese Aussage wurde von den anderen mit kräftigen Nicken bestätigt. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass bis auf die wirklich sehr rüstige Dame, alle anderen Gäste, ich sage mal ganz vorsichtig, jenseits von Size 0 lagen! So grinste ich, den Mund voller Kartoffelsalat, also still vor mich hin.

Nachdem ich jetzt schon ein paar Tage „auf Pump“ lebte, war ich sehr erstaunt, dass mich dieses Gerät gar nicht störte. Ich hatte damit gerechnet, dass ich dran hängen bleibe, es mir beim Hose runterziehen rausreiße etc. Aber nichts dergleichen passierte. Selbst in der Nacht störte mich mein neuer Begleiter überhaupt nicht. Ich hatte die Pumpe einfach neben mir liegen. Einmal wurde ich nachts von einem Alarm geweckt. Was macht man also als brave Partnerin eines Diabetikers, der sich im Tiefschlaf befindet und den Alarm nicht hört? Richtig! Ihn wecken. Verständnisloser Blick auf die Pumpe! Guckt mich an und sagt: „Das war ich nicht!“. Komisch. Und dann, so ganz langsam, kam ich auf die Idee mal bei mir nachzusehen. Oh, unter 80 mg/dl. Darum der Alarm. Ich hatte die Alarme bei mir extra sehr engmaschig (80-150) eingestellt, damit überhaupt mal etwas passiert.

Animas Duo

Rätselraten – Wem gehört welche Pumpe ?

IMG_1638.JPGIn dieser einen Woche mit der Pumpe war ich immer ganz fasziniert von meinem Blutzucker. Ich war so dankbar nicht ständig Messen zu müssen sondern jederzeit meinen Wert ablesen zu können. Das schlimmste in der Woche war tatsächlich das Fingerpieksen. Ich weiß nicht, was mit meinen Fingern nicht stimmt, aber es gruselte mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich Kalibrieren musste. Mir tat es jedenfalls immer ziemlich weh und mich zierten an jedem Finger kleine blaue Flecken. Zum Glück musste ich das ja nur zweimal täglich machen.

Bisher waren meine Werte noch nicht großartig über 170mg/dl angestiegen. Trotz der nicht gerade kleinen Menge an Kartoffelsalat und anderen Leckereien. So haben wir uns also auf den Weg in zu unserem Lieblingsitaliener gemacht. Nachdem ich eine halbe Pizza und ein großes Glas Malzbier intus hatte, ging der Alarm los. Mein BZ stieg an. Bei 195 mg/dl war dann aber Schluß. Eine halbe Stunde nach dem Essen ging er schon wieder auf 172mg/dl runter, Tendenz fallend. Da man ja sagt, dass gerade Pizza oder auch andere Gerichte mit viel Kohlenhydraten und Fett länger brauchen, um ins Blut zu gehen, dachte ich, dass später noch mit einem Anstieg zu rechnen ist, aber mein BZ ging stetig wieder runter. Ich habe am letzten Abend mit der Pumpe nochmal einen Selbstversuch gestartet. Natürlich nur im Sinne der Wissenschaft, habe ich eine ganze Menge an Süßigkeiten, Orangensaft und Fruchtmus verspeist, um zu sehen, ob mein BZ es doch noch über 200mg/dl schafft.Süsskram Trotz aller „Anstrengung“ ist mir dieses aber nicht gelungen. Dafür bin ich aber auch sehr dankbar, zeigt es mir doch, dass meine Bauchspeicheldrüse bestens funktioniert.

Nach der einen Woche kann ich sagen, dass mich die Insulinpumpe gar nicht gestört hat. Ich hatte wirklich gedacht, dass es unangenehm wäre, ständig ein Gerät am Körper zu haben, aber ich habe die Pumpe gar nicht bemerkt. Für mich war nur das Stechen in die Finger sehr unangenehm, das vermisse ich so gar nicht!

 

 

 

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Manuela ist passionierte Hunde Liebhaberin und Hobby Köchin aus Wuppertal. Vom Diabetes ist sie nicht betroffen, dennoch zog dieser ungeliebte Zeitgenosse zusammen mit ihrem Partner in ihr kleines Haus im Bergischen Land ein, in dem sie mit ihren Hunden wohnt. „Seit diesem Tag gilt es ein Maul mehr zu stopfen“, sagt sie mit einem Zwinkern und meint damit die Herausforderungen, vor die der Diabetes auch Angehörige stellt. Über ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Diabetes berichtet sie hier auf ihrem Blog.

3 Kommentare

  1. Na dann kannst du das ja jetzt richtig nachfühlen, wie es ist, in Begleitung des ungeliebten Begleiters DM auf eine Party zu gehen… 😉 Ob man möchte oder nicht, es wird vermutlich irgendwann jemandem auffallen… und man hat nicht immer gleich viel Lust auf Aufklärungsgespräche, auch wenn das Interesse anderer Menschen durchaus gut tut…

    • Da gebe ich Dir Recht Antje. Es gibt ja einige Menschen denen der Diabetes in der Öffentlichkeit peinlich ist, das war es bei mir nicht. Aber sich immer erklären zu müssen, ist schon mehr als lästig. Da ist man dann abhängig von der Tagesform, mal mehr oder weniger erklärfreudig.

  2. Na klar, nach ein paar Tagen mit Insulinpumpe, bei denen du immer im Hinterkopf hast, dass du sie jederzeit ablegen kannst und dir sicher sein kannst, dass dein BZ trotz endlosem Fressen nicht entgleist, du in einer Hypo landest, etc. kannst du natürlich BESTENS nachvollziehen wie es ist, Diabetiker zu sein!
    Selten so einen unglaublichen Schwachsinn gelesen!

    Sich über Dicke lustig machen kommt auch irgendwie nicht so gut, wenn man selbst meilenweit von einer schlanken Figur entfernt ist.

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