Artikel

Diabetes Typ-F

Typ-1, Typ-2, Typ-3, Mody und LADA-Diabetes hat der ein oder andere vielleicht schon gehört. Aber Typ-F? Was soll das denn sein? Nie gehört!

Dann berichte ich Euch mal, wie man mit Typ-F Diabetes lebt. Ich „habe“ nämlich Typ-F! Das wurde eindeutig diagnostiziert. Im Gegensatz zu vielen anderen Typ-F’lern, komme ich damit aber sehr gut klar.  Jetzt aber mal zur Erklärung, worum es sich bei dieser „Erkrankung“ handelt.

Typ-F Diabetiker nennt man die Angehörigen von Menschen mit Diabetes, also Familie und Freunde.  Ach so ist das! Schön! Mhhh, aber warum den Angehörigen einen Namen geben? Wen interessieren denn schon die Angehörigen? Also erst einmal finde ich es toll, dass es für Menschen wie mich einen Namen gibt. Typ-F Diabetiker klingt doch besser als „das ist die Partnerin von dem Diabetiker da“, oder? Wenn man Dingen oder Menschengruppen Namen gibt, verleiht es Ihnen auch einen gewissen Stellenwert. Man wird anders wahrgenommen als „die da“.

Aber warum ist das so wichtig? Die Firma Novo Nordisk hat 2001 zusammen mit der International Diabetes Federation (IDF) die DAWN-Studie gestartet, um die Ansichten, Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes kennenzulernen. Die Studie ergab, dass die Diabetespatienten weltweit unter sehr großen psychosozialen Belastungen leiden und dringend unterstützt werden müssen. Die Ergebnisse haben intensive Diskussionen in Gang gebracht. Im Jahr 2012 wurde von Novo Nordisk eine weitere, noch umfangreichere Untersuchung an den Start gebracht. Die DAWN2 Studie. Hierfür wurden weltweit 15.438 Teilnehmer aus 17 Ländern von vier Kontinenten befragt:

  • 1.400 Menschen mit Typ 1 Diabetes
  • 7.200 Menschen mit Typ 2 Diabetes
  • 2.100 Angehörige
  • 2.1000 Hausärzte
  • 1.350 Diabetologen
  • 800 Schwestern/Diabetesberaterinnen
  • 550 Diätassistenten

Die Befragungen brachten zum Teil wirklich erstaunliche Ergebnisse zu Tage. Besonders spannend fand ich die Auswertungen zu Hypoglykämie-Ängsten, um einmal ein Beispiel zu nennen:

Hypoglykämie-Angst bei Menschen mit Diabetes…

…ohne schwere Hypoglykämien

Typ 1 Diabetes >>>>  28,6%

Typ 2 Diabetes >>>> 33,2%

mit schweren Hypoglykämien

Typ 1 Diabetes >>>> 61,1%

Typ 2 Diabetes >>>> 56,9%

Hingegen haben 64% aller Angehörigen sehr große Sorge vor Hypos besonders vor nächtlichen Unterzuckerungen. Das bedeutet, sie sind psychisch sehr stark durch die Erkrankung ihres Partners belastet. Das hätte ich so niemals vermutet. Jetzt habe ich aber auch doppelt Glück. Sascha ist noch nie so schlimm unterzuckert, dass er ohnmächtig wurde und ich konnte durch meinen Bericht für die Blood-Sugar-Lounge über die Kinder- und Jugenddiabetologie fast täglich an Schulungen teilnehmen. Außerdem habe ich mich ausgiebig ins Thema eingelesen und viele Gespräche mit anderen Diabetikern (Hauptsächlich alles Diabetes-Blogger) führen können. Aber bei vielen anderen Angehörigen sieht das leider völlig anders aus. Sie sind nicht oder kaum geschult und haben auch selten die Möglichkeit sich fortzubilden. Das führt im Umkehrschluß zu großen Ängsten und Unsicherheiten. Unwissenheit schürt Angst! Laut der DAWN2-Studie haben 79% aller Menschen mit Diabetes an Schulungen teilgenommen und finden diese auch zu 79% sehr hilfreich. Im Gegensatz dazu würden 78% der Angehörigen Schulungen ebenfalls sehr hilfreich finden, jedoch haben nur 27% von ihnen daran teilgenommen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die diabetesbedingte Belastung der Menschen mit Diabetes in Deutschland. Hier geben 27% der Befragten an, dass ihre Erkrankung mit hohen Belastungen für sie verbunden ist.

Die emotionale Belastung von deutschen Familienangehörigen liegt bei 46,7%.

Ich finde das ziemlich erschreckend. Man sieht es besteht ein großer Handlungsbedarf, um uns Typ F’ler zu schulen und zu unterstützen.

Um mit anderen Angehörigen ins Gespräch zu kommen, habe ich vor ein paar Wochen eine Facebookgruppe gegründet, die ganz einfach „Diabetes Typ F“ heißt. Über Zuwachs würde ich mich sehr freuen. Natürlich dürfen nicht nur die Angehörigen Mitglied werden, sondern auch deren „süße“ Partner.

Hier geht es zur Gruppe

Veröffentlicht von

Manuela ist passionierte Hunde Liebhaberin und Hobby Köchin aus Wuppertal. Vom Diabetes ist sie nicht betroffen, dennoch zog dieser ungeliebte Zeitgenosse zusammen mit ihrem Partner in ihr kleines Haus im Bergischen Land ein, in dem sie mit ihren Hunden wohnt. „Seit diesem Tag gilt es ein Maul mehr zu stopfen“, sagt sie mit einem Zwinkern und meint damit die Herausforderungen, vor die der Diabetes auch Angehörige stellt. Über ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Diabetes berichtet sie hier auf ihrem Blog.

6 Kommentare

  1. Hey, sehr toller Beitrag und super Veranschaulichung der Zahlen, die wirklich erschreckend sind und zugleich eine bessere Unterstützung und Schulung der Typ-F’ler befürworten.
    Meinen Freund habe ich schon in die Facebook-Gruppe verwiesen und hoffe das diese noch weiterhin wächst 🙂
    Liebe Grüße

  2. Wie süß (: Ich gehöre auch zur Gruppe Typ F, bin aber ganz gut aufgeklärt. Man denkt automatisch mit- vorm essen, nach dem essen… zwischendrin… als ob man selbst messen und korrigieten müsste.
    Schöner Beitrag

  3. Pingback: Darf ich vorstellen – Diabetes Typ M | kinder-mit-typ1-diabetes

  4. Hmmm……dann bin ich Typ 2 für mich und Typ F für meinen Lebenspartner. Und gerade, wenn die Diabetes so unterschiedlich verläuft, ist es auch nicht einfach.

  5. Gerade in der Gruppe angemeldet :-).
    Heike, die zum Z-Fahrer gehört – Z wie KawasakiZ, oder auch wie Zucker 😉

Kommentare sind geschlossen.